Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Musical-"Ich will leben"

Musical : Szenen zum Schüleralltag

Gladbeck, 07.07.2011

Das Musical „Ich will Leben“ der Erich-Fried-Schule in Kooperation mit der IGBCEGladbeck.

Es war eine Musical-Premiere der besonderen Art, die am Mittwoch Abend in der Stadthalle über die Bühne ging. 600 Zuschauer waren gekommen, um die neueste Aufführung der Erich-Fried-Hauptschüler „Ich will leben“ zu sehen. Eltern, Großeltern und Geschwister der Darsteller warteten mit großer Spannung auf den Beginn. Auch die Stadtspitze war erschienen: Vor Beginn der Aufführung hielt Bürgermeister Ulrich Roland eine kurze Rede, in der er vor allem den Teamgeist, Kreativität und die Konzentration lobte, mit der die Jugendlichen das Musical erarbeitet haben. Bis zuletzt blieb es zweifelhaft, ob in den Saal Ruhe einkehren würde, so lebhaft war die Stimmung schon vor der Aufführung. Doch als sich endlich der Vorhang öffnete, lauschten die Zuschauer gebannt der Show - einer Mischung aus szenischen Einblicken in den Alltag jugendlicher Gladbecker mit musikalischen Darbietungen. Zum Inhalt: Ob während der Busfahrt zur Schule oder dem Matheunterricht, immer wieder warten kleinere oder größere Konflikte auf die Jugendlichen. So führen vergessene Mathehausaufgaben zu einem Streit mit Lehrer Kossmann, gespielt von Igos Aronets. Dazu gibt es noch Ärger mit dem Platzwart des Fußballvereins und den Fahrkartenkontrolleuren im Bus. Doch am Ende scheinen sich die großen Probleme in den Feierlichkeiten zur gewonnenen Stadtmeisterschaft aufzulösen. Selbst der strenge Lehrer Kossmann versucht nun auf die Schüler zuzugehen. Der Teamgeist soll vom Fußballplatz in den Klassenraum getragen werden, damit auch wirklich alle ihren Schulabschluss schaffen.Wer will ihn einstellen?Kamuran Simsek, der 18-jährige Hauptdarsteller bestätigte: „Das sind Szenen aus dem Leben.“ Immer wieder bekomme er selber solche oder ähnliche Situationen mit, wie sie auf der Bühne dargestellt wurden. Und diese Situationen wurden durchaus kritisch hinterfragt. Wieso haben manche Schüler keine Hausaufgaben oder sind aggressiv? Immer wieder werden in den einzelnen Szenen die grundsätzlichen Probleme beleuchtet. Wird einer der Jungs gefragt, wieso sein Vater keine Arbeit habe, muss dieser antworten: „Wer will den denn noch mit 55 Jahren einstellen?“. Statements wie „Das Leben ist hart und ungerecht und wir bekommen sowieso keinen Ausbildungsplatz“ zeigen deutlich, welche Probleme die Jugendlichen beschäftigen. Das wird auch in den Texten der Popsongs deutlich. Ein ganz neuer Song wurde für das Stück geschrieben. „Ich will leben“ fasst alle Probleme und Konflikte der Heranwachsenden zusammen.Nach unzähligen Zugaben und nicht enden wollendem Applaus waren alle Schauspieler und Musiker sichtlich erleichtert und glücklich über den Verlauf der Aufführung. Auch Walter Hüßhoff (IGBCE), der ein Schuljahr lang mit den Jugendlichen auf diesen Abend hin gearbeitet hat, war beigeistert. „Wir haben bewiesen, dass die Hauptschüler besser sind als ihr Ruf.“Insgesamt haben Schüler mit 15 unterschiedlichen Nationalitäten mitgewirkt. „Wir wollen die Politik nicht allein lassen, sondern mithelfen, Veränderungen herbeizuführen und Perspektiven zu schaffen“, sagte Hüßhoff, der schon weitere Projekte plant: So soll es 2012 ein neues Stück geben, das wieder mit Erich-Fried-Schülern einstudiert wird.(DerWesten.de)